Das "Risiko" Langlebigkeit heute anpacken

Bei der LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein sind die Altersguthaben sicher. Vorausschauend passt sie sich an, um die Rente auch für die heutigen Arbeitnehmer zu sichern. Geschäftsführer Bruno Matt rät, dennoch schon in jungen Jahren an die Altersvorsorge zu denken.

Bei der LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein sind die Altersguthaben sicher. Vorausschauend passt sie sich an, um die Rente auch für die heutigen Arbeitnehmer zu sichern. Geschäftsführer Bruno Matt rät, dennoch schon in jungen Jahren an die Altersvorsorge zu denken.

Herr Matt, die meisten Menschen wollen nach der Pensionierung ihren Lebensstandard beibehalten. Wie sollte sich ein heute ein Mittvierziger finanziell auf den Ruhestand vorbereiten?

Bruno Matt: Wer ohne finanzielle Sorgen alt werden will, sollte rechtzeitig an die Rente denken, um Spielräume nutzen zu können. Mit Mitte 40 ist noch einiges möglich, um Lücken durch Einkäufe in der beruflichen und die Aufstockung der privaten Altersvorsorge zu schliessen. Die Zeit vergeht bekanntlich schneller als man denkt, und gerade wer ordentlich verdient, ist gut beraten, vorher gemeinsam mit einem Fachmann eine umfassende Finanzplanung vorzunehmen. Dazu gehört, sich zu überlegen, welche Kosten auch im Alter unverzichtbar sind und sich über den Stand seiner gesetzlichen, beruflichen und privaten Altersvorsorgeansprüche zu informieren. Manch einer war jahrelang im Ausland, ein anderer ist zugewandert und muss mit einer reduzierten Rente rechnen. Dies lässt sich ein Stück weit noch korrigieren.

Und mit Einmalzahlungen an die Pensionskassen lassen sich seit 2011 in Liechtenstein auch noch mehr Steuern sparen?

Bruno Matt: Mit dem neuen modernen Steuergesetz können zum ersten Mal einmalige Beiträge und Prämien in vollem Umfang vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. Das heisst der Versicherte kann sich bis zur Höhe eines Jahressalärs einkaufen. Bislang lag die Summe bei höchstens 12 Prozent des Bruttolohns. Dies ist möglich bis zu drei Jahren vor der Pensionierung. Wer sich danach noch einkauft, kann die Altersleistungen nur noch als Rente beziehen. Einzahlungen jedoch, die dazu führen würden, dass die Altersvorsorge - AHV und Pensionskasse zusammengenommen - höher ausfällt als das Einkommen im Arbeitsleben sind nicht möglich.

Haben Sie ein Rechenbeispiel?

Bruno Matt: Nehmen wir an, der AHV-pflichtige Lohn vor der Pensionierung liegt bei 120‘000 Franken im Jahr. In die Pensionskasse sind somit Einkäufe möglich, die zu einer maximalen jährlichen Altersrente von 96‘000 Franken führen.

Soll ein Rentner das Alterskapital aus der Pensionskasse beziehen, oder anders gefragt, wer fährt mit einer Rente besser?

Bruno Matt: Diese Frage höre ich häufig. Einen allgemeinen Rat dazu gibt es nicht. Wir können den Betroffenen gegenüberstellen, wie hoch die monatliche Rente wäre und wie hoch das Alterskapital. Und wir können die richtigen Fragen stellen, um zu helfen, die für jeden sehr individuelle richtige Antwort zu finden: Haben Sie noch minderjährige Kinder oder eine geschiedene Ehefrau? Wie hoch sind die Hypotheken für Ihr Haus und wie lange laufen diese noch? Sind Sie darauf angewiesen, dass jeden Monat ein regelmässiges Einkommen auf Ihrem Bankkonto eingeht? Oder umgekehrt gefragt: Wie gesund sind Sie? Was wollen Sie mit Ihrem Alterskapital machen? Wie wollen Sie es nutzbringend anlegen? Vielleicht kommt ja auch eine Aufteilung in Frage: Einen Teil des Altersguthabens lassen Sie sich auszahlen, um eine Hypothek zurückzubezahlen. Den Rest des Alterskapitals bekommen Sie jeden Monat als Rente ausbezahlt. Sie sehen, ob Kapital oder Rente - das muss wirklich jeder für sich selbst entscheiden.

Mit der Frankenaufwertung, tiefen Zinserträgen und der schwachen Börsenentwicklung mussten Vorsorgeeinrichtungen im Jahr 2011 Deckungsgradeinbussen hinnehmen. Wie sicher finanziert ist die LLB Vorsorgestiftung?

Bruno Matt: 2011 war einmal mehr ein durchzogenes Börsen- und Wirtschaftsjahr. Für die Pensionskassen aber dennoch nicht so einschneidend wie etwa das Jahr 2008. Die LLB Vorsorgestiftung für Liechtenstein konnte insgesamt sogar ein leichtes Performance-Plus erwirtschaften. Grundsätzlich gilt für Pensionskassen, dass sie eine jährliche Performance von zwischen 2.5 und bis zu 4 Prozent, Kassen im Leistungsprimat sogar gegen 5 Prozent benötigen. Und dies nur um den Deckungsgrad stabil zu halten. Dass dies im aktuellen Wirtschaftsumfeld sehr ehrgeizige Zahlen sind ist uns klar.

Pensionskassen müssen die versicherungstechnischen Grundlagen umsichtig und vorausschauend den künftigen Entwicklungen anpassen. Nur so können sie sich für die demografischen Veränderungen fit machen und bleiben in einem stabilen finanziellen Gleichgewicht.

In unserer Stiftung bedeutet dies, dass sich unser Stiftungsrat im vergangenen Jahr intensiv mit diesen Themen befasst und entschieden hat, den technischen Zins anzupassen. Der liegt ab 2012 bei 3.5 Prozent.

Die Menschen leben länger, bislang lag der Umwandlungssatz der LLB Vorsorgestiftung bei 7 Prozent, ab Januar 2015 wird dieser 6.8 Prozent betragen. Was heisst das umgerechnet in Franken pro Jahr?

Bruno Matt: Die niedrigen Zinsen und Kapitalerträge und die Tatsache, dass wir alle länger leben, zwingen jede Pensionskasse früher oder später dazu, ihre Grundlagen anzupassen und den Umwandlungssatz zu senken. Ab Januar 2015 liegt dieser bei der LLB Vorsorgestiftung bei 6.8 Prozent statt wie bisher bei 7 Prozent. Bei einem in der 2. Säule gesparten Alterskapital von beispielsweise 300‘000 Franken liegt die jährliche Altersrente zurzeit somit bei 21‘000 Franken und ab 2015 bei 20‘400 Franken jährlich. Der Unterschied einer Pensionierung eines 64-Jährigen im Jahr 2012 oder im Jahr 2015 beträgt also 600 Franken im Jahr.

Herr Matt, ein Grossteil des Geldes der LLB Vorsorgestiftung ist in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Was halten Sie davon, riskantere Investments zu wagen, um eine höhere Rendite zu erzielen?

Bruno Matt: Riskanter anlegen brachte in den letzten zehn Jahren durchschnittlich keine markante höhere Rendite. Die Aktienindices waren vor zehn Jahren auf ungefähr demselben Stand wie Ende 2011. Der Stiftungsrat einer Pensionskasse muss die Anlagestrategie dennoch so wählen, dass der Ertrag möglichst hoch und das Anlagerisiko möglichst niedrig ist. Dieser Spagat ist im aktuellen Umfeld nicht einfach und führt dazu, dass der Grossteil des Kapitals in festverzinslichen Wertpapieren wie zum Beispiel Obligationen investiert werden muss. Nur leider glänzte diese Anlagekategorie in den letzten Jahren auch nicht mit den benötigten Renditen.

Die LLB Vorsorgestiftung bietet ihren angeschlossenen Unternehmen als eine der wenigen Pensionskassen in Liechtenstein und der Schweiz zwei Anlagestrategien an: eine konservative mit einer Aktienquote von rund 15 Prozent und eine dynamische mit einem Aktienanteil von 25 Prozent.

Unsere Kunden können also jährlich zwischen einer riskanteren und volatileren und einer wenig Aktien lastigen Strategie wählen. Bemerkenswert ist allerdings, dass rund 90 Prozent die bei uns angeschlossenen Betriebe konservativ investiert sind. Sie setzen also auf Gleichmässigkeit und weniger Volatilität statt auf eine möglichst hohe Rendite.

LLB Vorsorgestiftung

Gegründet: 2005
Geschäftsführer: Bruno Matt
Aktuell Versicherte: 3‘760
Angeschlossene Betriebe aktuell: 335
Verwaltetes Kundenvermögen Ende April 2012: 335 Mio. Franken
Deckungsgrad per Ende April 2012: 101 Prozent
Die LLB Vorsorgestiftung ist eine der wenigen Pensionskassen, die ihren Mitgliedern zwei Anlagestrategien anbietet. Die Verzinsung des Vorsorgekapitals lag für die Strategie "Konservativ" bei 2 Prozent im Jahr 2011, die Verzinsung bei der Strategie "Dynamisch" betrug 1.5 Prozent.
Technischer Zinssatz seit 2012: 3.5 Prozent
Rentenumwandlungssatz im ordentlichen Pensionierungsalter 64: 7.0 Prozent, 6.9 Prozent ab 2014, 6.8 Prozent ab 2015

(Volksblatt, Veröffentlichung 3. Mai 2012)